Harmonie und Frieden - Gasthof Dagmar und Adolf Lercher

Der Murauer Gasthof, Hotel Lercher
Dagmar und Adolf Lercher

Schwarzenbergstraße 10
8850 Murau
 +43 3532 2431
 hotel.lercher@murau.at
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Meisterwelten

VOM STAMMTISCH UND SEINEN EHREN.

Der Lercher: Murauer Gasthof und Hotel

Mit dem Stammtisch ist es ja so eine Sache: Gleich darf man da nicht sitzen, aber bald. Ich ab der zweiten Woche. Meine Tischgesellen wechseln, immer aber ist die Runde bunt: der Bäcker ist dabei, die Touristikerin und der Geschäftsmann. Die Altherren-Partie, zwei flotte Damen und der Kulturmensch. Und natürlich die Lerchers, Adolf und Dagmar.

Seit über 300 Jahren schon bietet ihr Haus echte Murauer Gastlichkeit: „Der Gasthof wurde 1704 erstmals urkundlich erwähnt“, erzählt Adolf, der von allen nur Adi gerufen wird, „1769 hat uns dann Kaiserin Maria Theresia die Wirtshausgerechtsamkeit verliehen und seit über 100 Jahren heißt der Gastgeber hier schon durchgehend Lercher.“ Und diese große Geschichte lebt. Das zeigen nicht nur die vielen Familienfotos rund um den Stammtisch, sondern auch die Stadtmauer, die sich durchs ganze Haus zieht. Denn das Wirtshaus lag früher gleich hinter einem der acht Stadttore von Murau und ist direkt an die Stadtmauer angebaut. Deshalb ist sein Hinterteil bis heute rund und deshalb findet man auch überall im Haus noch Spuren von der Geschichte. Im Relaxarium zum Beispiel, wo Sauna, Dampfbad und einiges mehr für das Wohlfühlen der Gäste sorgen, ist die meterdicke Mauer sogar freigelegt. „Und auch unser Schankraum“, zeigt mir Dagmar stolz beim Weg durchs Haus, „ist ein richtig historischer Ort.“

Überhaupt die Geschichte: Davon weiß Dagmar viel zu erzählen. „Es interessiert mich halt, wo wer herkommt und wo wer hingeht“, sagt sie mit lächelnden Augen und berichtet gleich von Anna Neumann, die an der Schwelle vom 16. ins 17. Jahrhundert als Herrin von Murau wirkte. Als reiche Kaufmannstochter hat sie den schwer verschuldeten Christoph von Liechtenstein geheiratet, seine Schulden bezahlt und ihn um viele Jahrzehnte überlebt. Und außerdem noch vier Ehemänner. „Und weil sie sehr klug und wirtschaftlich so erfolgreich war“, erzählt Dagmar weiter, „hat man sie sogar zweimal als Hexe verdächtigt.“ Doch Anna überstand auch das und prägte die Geschichte des Ortes ein letztes Mal, als sie mit über 80 Jahren einen rund 50 Jahre jüngeren Schwarzenberg heiratete. „Nach dem Tod von Anna erbte er die Herrschaft von Murau und seitdem sind die Schwarzenbergs Großgrundbesitzer in dieser Gegend“, sagt sie, während sie Bier zapft.

So wie ihr Mann ist auch sie in einem Gasthaus aufgewachsen und lebt Gastlichkeit seit jeher. „Diese Verwurzelung“ erzählt sie, „ist eine Verantwortung, weil wir die Geschichte des Hauses bewahren, aber sie gibt auch Kraft, weil wir auf etwas Bestehendes aufbauen.“ Und dann sagt sie noch lachend: „Wir sind zwar die Gastgeber, aber wir arbeiten da nicht, sondern wir leben hier.“ Und Adi, ihr Mann, bestätigt: „Wir sehen unser Wirtshaus als gesellschaftlichen Ort und es ist uns sehr wichtig, die Traditionen hoch zu halten.“ Und das bestätigt sich in den knapp zwei Wochen, die ich beim Lercher verbringe. Denn hier trifft man sich nicht nur, hier spielt sich das ganze Leben ab. „Das Wirtshaus“, sagt Adi, „begleitet die Menschen von der Taufe bis zum Abschied. Ob beim Stammtisch oder an der Schank, nach dem Kirchgang oder der Arbeit. Bei uns findet einfach ganz viel Austausch statt.“

Und dann wird hier natürlich geschmaust. Echt und ehrlich ist die Küche, in der Adi junior werkt. „Bei uns hat die Rindsuppe noch ein Rind gesehen“, sagt Dagmar und Adi junior fügt hinzu: „Wir sind keine Aufwärmer, sondern wir kochen frisch. Und das jeden Tag.“ Erwähnt werden braucht das eigentlich gar nicht, denn ich schmecke es jeden Tag, wenn ich am Stammtisch esse. Das Schmecken geht bei den Lerchers so köstlich, weil Adi in einem großen kulinarischen Netzwerk aus der Region arbeitet. Wenn er Hirsch und Reh serviert, dann stammen diese aus den Wäldern ringsum. Die Forellen, Huchen und Saiblinge in seiner Pfanne haben sich vorher in den Flüssen und Seen rund um Murau getummelt, denn sie stammen aus der Fischzucht Schwarzenberg. Und dann natürlich das Bier: Seit 500 Jahren wird es hier gebraut, nur Hopfen und Malz und jede Menge reines Wasser und saubere Luft sind da drinnen. Eine richtige Bierstadt ist Murau, aber wer kein Biertrinker ist, kann trotzdem zum Lercher gehen. Denn ein wohl gefüllter Weinkeller mit edlen Tropfen aus der

Steiermark, Niederösterreich und dem Burgenland, aber auch einer feinen internationalen Auswahl lässt auch hier keinen Gaumen trocken.

Wer ein Seiterl oder Achterl zu viel erwischt hat, braucht nur ein Stockwerk höher gehen. Denn hier beginnt das Hotel der Lerchers. Viele Skifahrer machen im Winter Urlaub in Murau, denn der Kreischberg und auch andere Skigebiete sind nur einen Katzensprung entfernt. „Ja“, sagt Dagmar, „wir liegen doch auf 800m Seehöhe und haben deshalb einen schönen und meistens auch langen Winter.“ Wenn der vorbei ist, kommen die vielen Wanderer, die über die beschaulichen Almen rund herum oder durch die tiefen Wälder streifen. Nur Grün sehe ich, wenn ich aus dem Fenster schaue: Wald über Wald, die Stolzalpe, die in ihrer Erhabenheit ihrem Namen alle Ehre macht und natürlich der Murauer Schlossberg.

Apropos: Gleich gegenüber vom Lercher ist das Schloss der Schwarzenbergs. Mächtig thront es über den historischen Gässchen von Murau. Der letzte Mann von Anna Neumann, der die Herrschaft von ihr erbte, hat es gebaut. Und auch ihre heutigen Schwarzenbergs lassen sich oft beim Lercher blicken. „Mit dem Karel kann man schön diskutieren“, lacht Dagmar, „aber auch der Aki ist gerade vorhin da gewesen.“ Und ihr Mann Adi fügt dazu: „Bei uns trifft man sich halt. Und bei uns darf jeder so sein, wie er ist.“ Das sieht auch Dagmar so: „Wir wollen unseren Gästen eine Heimstatt bieten. Aber wie die ausschaut und ob man Ruhe oder Unterhaltung will, das kann ein jeder selbst entscheiden.“ Und schon springt sie auf und begrüßt herzlich einen Gast. Und auch Adi trinkt sein Glas aus und macht sich wieder auf den Weg. Als wir uns an den Stammtisch gesetzt haben, hat er gesagt: „Wir wollen hier in Murau keine Kulisse sein, sondern das Herz.“ Und es pumpert, denke ich mir abschließend, ehrlich und echt