Meister zeigen viel Gefühl - Malerei Gerhard Pinter

Malerei Pinter
Gerhard Pinter

Schmiedviertel 75
8253 Waldbach
 +43 3336 4555
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Meisterwelten

EIN BUCKLWÄRMER UND HERZERFREUER 

Malerei Pinter. In Waldbach 

Als Gerhard Pinter auf die Welt kam, haben sich wohl zahlreiche Musen um seine Wiege versammelt und ihm einiges an Talenten hineingelegt: die Begabung für alles Zeichnerische, eine große Fähigkeit, die Leuchtkraft der Farben zu zeigen, Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit, aber auch Verständnis – für den Menschen und die Natur. Schon in der Schule durfte Gerhard Pinter seine Talente ausleben: „In Bildnerische Erziehung habe ich oft die Arbeiten für die ganze Klasse gemacht“, erinnert er sich lachend. Trotzdem geht er zuerst einen anderen Weg: er schließt die Handelsakademie ab und macht einen kurzen Ausflug in die kaufmännische Welt. Aber den Musen zu entkommen, ist alles andere als einfach – zum Glück, denn jetzt haben wir alle etwas von ihren Geschenken. Gerhard Pinter besucht die Meisterschule für Malerei an der Ortweinschule Graz, wird Schüler des Malers Gerhard Lojen, er geht nach Wien und arbeitet als freier Künstler und Restaurator. Bei einem Stuckateur lernt er viele alte Handwerkstechniken, die kaum mehr geläufig sind wie unter anderem die Fertigung von Stuckmarmor. Mitte der 1990er Jahre wird der Ruf nach der Natur aber immer lauter und Gerhard Pinter kehrt von Wien nach Waldbach zurück. Für jemanden, der im Winter bei Vollmond auf den Hochwechsel geht, um sich bei Sonnenaufgang mit den Tourenschiern über die verschneiten Hänge zu schmeißen, der richtige Schritt: „Die Natur war mir immer wichtig, mit Umweltschutz habe ich mich viel beschäftigt, vor allem aber wollte ich mit der Kraft der Natur arbeiten“, sagt Gerhard Pinter. Wie das aber gehen sollte, war zunächst offen. Sein Vater Anton, der 1976 einen Malereibetrieb gegründet hat, lud ihn ein, in den Betrieb einzusteigen: „Na gut, dann helfe ich halt einmal mit, war der Ausgangspunkt“, erzählt Pinter, „zuerst bin ich wegen meiner kaufmännischen Ausbildung im Büro gesessen, aber bald hat mich das, was die Arbeiter tun, viel mehr interessiert.“ Er fährt auf die eigenen Baustellen, beobachtet andere Baustellen und überlegt immer wieder, wie man es besser als die anderen machen könnte. Und das ist bis heute sein Motto geblieben.   

 

Gerhard Pinter mag es, wenn es nicht alltäglich ist und er mit seinen Männern geholt wird, weil es sonst keiner machen kann. „Dann marschiert die ganze Mannschaft in den Keller und wir probieren aus, tüfteln herum und üben.“ Viele, viele Quadratmeter hat er mit seinem Team bereits bemalt, gekalkt oder mit Lehm verputzt, aber auch für kleine Liebhaberprojekte wird er gern geholt: in einer Villa am Semmering war seine Illusionsmalerei gefragt, bei einem alten Bauernhaus im Burgenland hat er so hingebungsvoll gekalkt, dass der DHL-Fahrer jeden Tag seine Tour für ein paar Minuten unterbrochen hat, um ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Und wenn ein verblichenes Wandgemälde auf einem Hof wieder Farbe braucht, denkt man auch an Gerhard Pinter. Anspruchsvolle Kunstprojekte am Bau umzusetzen, ist auch ganz seins. Für die Grazer Kinderklinik hat er einen 70m² großen Schmetterlingskokon umgesetzt, für eine Tourismusschule in Meran mit ungewöhnlichen Interferenz-Pigmenten gemalt, für die Neue Galerie Graz ein sechs Meter langes Fries mit einem extrem feinen Farbverlauf hingekriegt und einem Trachtengeschäft in Birkfeld hat er zu Wänden verholfen, die nun farbige Stoffmuster tragen.  

 

Was widersprüchlich klingt, ist die Grundlage für seinen Erfolg: Gerhard Pinter geht mit der Zeit und will gleichzeitig dem Zeitgeist nicht entsprechen. Er arbeitet mit den derzeit so beliebten Lehmputzen und Lehmfarben, verwendet als Dämmmaterial natürliche Produkte wie Schilfrohr und Hanf, aber er widersetzt sich auch ganz bewusst dem Zeitgeist, zum Beispiel bei den Farben: „Weil Modetrends oft nicht zum Ortsbild und den Menschen passen, die ein Haus bewohnen“, sagt er, „und weil wir mehr zu bieten haben, als die aktuelle Stilrichtung vorgibt.“ Beim Fassadenputz erklärt er, was er damit genau meint: „Meist schauen alle Häuser, die in derselben Zeit gebaut worden sind, gleich aus. Aber die Menschen, die sie bewohnen, sind verschieden. Deshalb sollten die Fassaden eine persönliche Note und einen Charakter haben. Es gibt so viele verschiedene Putze“, erzählt er weiter, „feine, grobe und solche mit Strukturen – so ein Putz kostet zwar eine Spur mehr, aber dafür hat man jeden Tag, an dem man sein Haus anschaut, eine große Freude.“ Um herauszufinden, was die Leute wollen und was zu ihnen passt, braucht es die Bereitschaft zum „Einihearn“ – und weil er das gern und gut tut, weiß Gerhard Pinter meist sehr schnell, welche Farben zu welchen Menschen und Häusern passen. Überhaupt die Farben – wenn die Rede auf sie kommt, leuchten seine Augen: „Ja, stimmt“, gibt er lachend zu, „ich mag intensive Farben – ein kräftiges Rot oder blitzendes Blau, aber ich mag es nicht, wenn sie knallen oder zu hart daher kommen, deshalb verwende ich spezielle Farben, die mit ihren Pigmenten für Brillanz und Leuchtkraft sorgen, aber trotzdem so leicht wirken, als wäre die Wand mit feinstem Stoff bespannt.“ Eine ähnliche Wirkung hat Kalk: „Die schönsten Objekte sind oft gekalkt“, erklärt Pinter, „man muss den Kalk ganz dünn nehmen und ihn in mehreren Schichten immer wieder auf die Wand auftragen. Dadurch entsteht ein zarter Perlmuttschimmer, richtig duftig sieht so eine gekalkte Wand aus.“ Weil Kalk außerdem antibakteriell und desinfizierend ist, ist er einer der Lieblingswerkstoffe von Gerhard Pinter – wie der Lehm, der per Zufall zu ihm kam und zwar an einem faulen Sonntag: „Ich schaue gern Dokumentationen an und nachdem ich einen Nachmittag mit Sendungen über Lehmbau verbracht habe, wusste ich: damit will ich auch arbeiten.“ Die vielen guten Eigenschaften von Lehm sind bekannt: er reguliert die Luftfeuchtigkeit und bringt als Kind der Erde die Natur ins Haus. Pinter setzt noch eins drauf: „Lehm ist ein hervorragender Wärmespeicher, deshalb verwenden wir Lehmbauplatten als Dämmmaterial und bauen Lehmwandheizungen ein, die angenehm sind, weil die Wärme waagrecht von der Wand abstrahlt.“ Das tut auch eine der neueren Erfindungen von Gerhard Pinter: der Bucklwärmer – eine Lehmwandheizung, die mit einem Wärme-Vlies, das in Lehmbauplatten integriert ist und mit Strom funktioniert, ein Wandstück oder einen Liegeplatz wärmt. Wer mag, kann sich den Bucklwärmer auch künstlerisch gestalten lassen, dann ist das Lieblingsplatzl nicht nur schön warm, sondern auch ein schöner Hingucker.  

 

Wer den Buckl erwärmen kann, erfreut auch das Herz und deshalb beginnt für Gerhard Pinter alles mit dem menschlichen Miteinander: „Bei jeder Arbeit geht es darum, dass Menschen etwas für Menschen tun. Außerdem schafft der Handwerker nicht nur Materielles, sondern auch Werte.“ Das verdient Wertschätzung – auf beiden Seiten. „Unsere Mitarbeiter sind für ihre Höflichkeit bekannt. Das ist uns wichtig, denn wir kommen in den Wohnraum von Menschen, das ist sein Innerstes und sich dort als Fremde aufzuhalten, erfordert Respekt.“ Von Verkaufsschulungen hält er wenig: „Ich lege mehr Wert auf das Zwischenmenschliche. Wenn man ein Gespür dafür hat, passt es meist auch in der Zusammenarbeit.“ Das gilt übrigens auch für sein Team: „Auch wenn bei uns eigenständig gearbeitet wird, wir setzen gemeinsam etwas großes Ganzes um und pflegen das Miteinander. Meine Mitarbeiter schätze ich sehr“, fügt er hinzu, „denn sie tragen das Unternehmen.“ Grenzen gibt es im Handwerk trotzdem, vor allem im Umgang mit den Werkstoffen: „Wie überall, wenn man mit der Natur arbeitet, muss man bei uns genau wissen, wann es reicht. Beim Kalk braucht es zum Beispiel viel Geduld, weil man ihn nur Schicht für Schicht auftragen kann. Zu viel von ihm zu nehmen, bringt gar nichts, man ist deshalb nicht früher fertig. Und auch beim Lehmputz bringt es nichts, zu viel auf einmal zu wollen, sonst kommt die Wand wieder runter.“ Ein Gespür für das richtige Maß und Gefühl zu zeigen, sind für ihn wichtige Grundlagen für die Meisterschaft. Woran er sich auch immer hält, ist eine einfache, aber umso wertvollere Regel: „Ich bin immer gut vorbereitet und achte vor allem bei anspruchsvollen Projekten darauf, dass mein Kopf frei ist.“ Dass er Anspruch hat, macht es möglich, besser als die anderen zu sein. „So schnell bin ich nicht mit etwas zufrieden: es reicht erst, wenn es für mich passt.“ Und wenn es für Gerhard Pinter passt, ist es mehr als gut – so haben sich das damals bestimmt auch die Musen gedacht, als sie ihre Geschenke freigiebig in seine Wiege legten.