Meister zeigen viel Gefühl - Glasmanufaktur Andreas Hafner

Kaiserhof Glasmanufaktur
Andreas Hafner

Hauptstraße 13
8692 Neuberg an der Mürz
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Meisterwelten

VOM KREUZ MIT DER SCHÖNHEIT 

Kaiserhof Glasmanufaktur. In Neuberg an der Mürz 

Am Oberlauf der Mürz, wo sich links und rechts der Wald in steilen Hängen nach oben zieht und die Schneealm auch noch im Frühling weiß blitzt, steht er: der Neuberger Münster, ein mächtiger und breiter Bau mit dem charakteristischen Dachreiter der Zisterzienser. 1327 hatte Herzog Otto der Fröhliche entschieden, ein Stift zu gründen, die Zisterzienser unterstützten ihn beim Bau. Wie mächtig die Anlage in Neuberg ist, sieht man am besten vom Rabenstein aus – einem kleinen Aussichtsberg, der sich hinter dem Dach des Münsters hervortut. Ungewöhnlich steil ist dieses Dach, darunter verbirgt sich ein sowohl in Ausmaß als auch Konstruktion gewaltiger Dachstuhl aus dem 15. Jahrhundert: 1.100m³ Lärchenholz sind hier verarbeitet, ohne auch nur einen einzigen Eisennagel zu verwenden. „Ein einzigartiges Beispiel damaliger Handwerkskunst“, sagt Andreas Hafner. Während wir durch die Klosteranlage gehen, bleibt er immer wieder stehen, zeigt auf die großen Steine, die beim Bau des Münsters übereinander gelegt wurden und macht auf Details aufmerksam: auf die verwitterte Inschrift eines Brunnens, die kunstvolle Rosette über dem Eingang des Münsters oder die fein gemeißelten Ornamente auf den Konsolen im Kreuzgang. Dieser ist übrigens der einzige gänzlich erhaltene Kreuzgang der Steiermark. In unmittelbarer Nachbarschaft, nur mit einer unscheinbaren Holztür von dieser gotischen Kostbarkeit getrennt, hat die Glasmanufaktur von Andreas Hafner ihr Quartier bezogen: im Kaiserhof. Als das Zisterzienserkloster 1786 vom Kaiser aufgehoben wurde, hat man diesen südlich gelegenen Trakt als Jagdschloss genutzt. Trophäen und eine Inschrift, die Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth gewidmet ist, erinnern an diesen Teil der wechselhaften Geschichte von Neuberg. Dass im Kaiserhof der Kunst des Glasmachens nachgegangen wird, hat aber doch wieder mit den Zisterziensern zu tun: „Die Zisterzienser hatten bereits im 16. Jahrhundert eine Glashütte im Kloster, was gut zur hiesigen Tradition passte“, bestätigt Andreas Hafner, „denn in der Steiermark hat man seit jeher Glas hergestellt, weil alles, was man dafür braucht, da gewesen ist.“ Das ist zum einen der Wald: „Wer Glas produzieren will, braucht viel Hitze – und Holz zum Heizen gab es in der Steiermark stets genug. Den Quarzsand, der Hauptbestandmittel von Glas, fand man überall entlang der steirischen Flüsse, Kalkgestein war auch genug vorhanden und Pottasche, die man als Schmelzmittel brauchte, war schnell hergestellt.“   

 

Dass Andreas Hafner im Kaiserhof von Neuberg eine Glasmanufaktur eröffnet hat, war wiederum alles andere als klar: „Ich bin eigentlich Schlosser mit Meisterbrief, aber Glas hat mich schon immer fasziniert, weil es so viel kann. Eisen und Glas sind als Werkstoffe aber gar nicht so weit voneinander entfernt“, erzählt er weiter, „denn beide brauchen das Feuer, können sich stark verändern und sind beim Verarbeiten sehr anspruchsvoll.“ Zeit spielt dabei eine große Rolle. Hudeln darf man nicht, aber zu langsam darf man auch nicht sein. Denn Glas kühlt schnell ab und wenn es zu kalt ist, ist es zu fest fürs Formen. „Eine große Sache ist das und eigentlich eine Kunst“, beschreibt Hafner den Vorgang, das geschmolzene Glas in den richtigen Zustand für das Verarbeiten zu bringen. Während wir reden hantieren seine Glasmacher am Ofen. Gerade stellen sie bunte Glockenblumen her – an einem Metallstab befestigt, sind sie ein hübscher Schmuck fürs Gartenbeet. Im Schmelzofen, der mitten in der Glasmanufaktur Kaiserhof steht, hat es 1.200 Grad. So viel braucht der Glaspfropfen am Ende der Glasmacherpfeife, um flüssig zu werden. Die Glasmacher drehen und wenden ihn geschickt, damit das Glas gleichmäßig schmilzt, aber auch damit der Pfropfen nicht in den Ofen fällt. Auch außerhalb des Ofens schwenken sie ihre Glasmacherpfeife mit ruhigen, aber zügigen Bewegungen hin und her: „Flüssiges Glas ist das beste Beispiel für die Erdanziehung ist“, sagt Hafner, „es will immer in Richtung Boden.“ Hat das Glas die richtige Temperatur, um geformt zu werden, wird es in ein Modellierholz gesteckt. Funken blitzen auf, „weil immer auch ein Stückchen Holz verbrannt wird.“ Wieder geht das Glas in den Ofen und wieder kommt es heraus und dann bläst der Glasmacher in seine Pfeife hinein: langsam entsteht innerhalb des Pfropfens ein Hohlraum, der nun am Boden behutsam geöffnet wird. Flüssiges Glas ist wie dicker Honig: wenn man hineinsticht, gibt es nach, dehnt und zieht sich – ein Loch in Glas zu schneiden, ist gar nicht so einfach. Doch dann, schneller als man glaubt, wird aus dem Pfropfen eine Glocke. Noch ein geübter Handgriff und ein sanfter Druck über einem Metallkreuz und schon sieht man die zarte Schwingung der Glockenblumenblüte. Zum Abkühlen wird sie nun zur Seite gestellt.  

 

Viel reden die Glasmacher nicht, sie verständigen sich lieber ohne Worte. Ihr Ablauf am Ofen ist eingespielt und jeder Handgriff sitzt. Wann es reicht, wissen sie nicht, sie erfühlen es mit ihren Sinnen. An der Farbe des Glases sehen sie, ob es die richtige Temperatur fürs Verarbeiten hat und beim Blasen in die Glasmacherpfeife spüren sie, wie viel Luft das Glas verträgt: sie brauchen genug, damit Hohlraum entsteht, dürfen aber nur sachte sein, damit das Glas nicht platzt. Das Maß zu halten und die richtige Zeit zu erwischen – ein kleines Wunder oder einfach nur Erfahrung? „Beides“, meint Andreas Hafner, „das Glasmachen ist herausfordernd. Nicht umsonst ist das alte Symbol für dieses Handwerk eine Unendlichkeitsschleife mit einem Kreuz: es ist ein unendliches Kreuz ist, Glas zu machen.“ Das Kreuz aber passt letztendlich ja zu den Zisterziensern und ein wenig plagen darf man sich für Schönes auch. Im Garten des Stiftes zeigt sich warum. Gerade zeigt sich die Sonne in einem Windrad aus goldigen und bernsteinfarbigen Glasscheiben: „Sonne und Glas sind ein großartiges Paar“, lächelt Hafner, „wenn die Sonne ganz flach auf das Glas fällt, also am Morgen und am Abend, glänzt es hier am schönsten.“ Dann werden die Objekte, die Hafner teilweise selbst entwirft, zu großen Lichtskulpturen, die mit ihren Farbeffekten den Charakter des Gartens betonen und verstärken. Wie gut Glas in die Natur passt, erklärt Hafner bei den Glasflammen, die an Eisenstangen gehängt, auch große Klangkörper des Gartens sind. Mit einem Schlegel führt er es vor: „Wenn Glas einen Hohlraum hat, klingt es – oft sogar mehrstimmig.“ Glas ist entgegen seines Rufes beinahe unverwüstlich: „Glas verwittert nicht, bleicht nicht aus, kann im Winter draußen bleiben und hält sogar Hagel stand“, so Hafner. Wie beständig dieser Werkstoff ist, zeigt sich auch im Showroom der Glasmanufaktur Kaiserhof, wo die Kollektionen für Hotels und Gastronomie stehen: Wasserkrüge, Trinkgläser und Bierkrüge. Zarte Farbakzente umspielen ihre Ränder und Böden, die Hauptrolle spielt Farbe hier aber nicht: „Diese Objekte bestechen durch Nutzglas in ausgezeichneter Qualität“, erklärt Hafner und hält ein dickwandiges, bauchiges Trinkglas gegen das Licht: glasklar – schnell zeigt sich, was dieses Wort tatsächlich bedeutet. „In dieser herausragenden Qualität bleibt das Glas auch noch nach oftmaliger Benutzung“, sagt Hafner, „es hat eine ausgesprochen gute Qualität und deshalb einen beständigen Charakter.“ Und edel ist der Charakter auch. Ganz besonders wenn man flüssiges Glas mit Gold einfärbt: „Dann entstehen atemberaubende Lichteffekte und unvergleichlich intensive Farben – viele Nuancen in zartem Rosé, Farbtöne in kräftigem Fuchsia und tiefes Rubinrot“, schwärmt Andreas Hafner. „Rotes Glas mit Gold herzustellen, ist überhaupt das Edelste.“ Und während wir so reden, spazieren wir zwischen den Regalen umher, kommen beim gläsernen Steirerspatz mit seinen Kameraden vorbei, verlieren uns ein wenig im feurigen Rot des glühenden Schmelzofens und bemerken plötzlich die Eulen aus Glas, die aus den Mauernischen des Gewölbes hervorlugen. Da ist sie wieder die große Tradition dieses Ortes: „Unser Münster ist ein Ort der Stille und Einkehr“, stand auf einem Schild in der Kirche geschrieben. Man glaubt es gern, wenn man den schweigsamen Glasmachern aus Neuberg bei der Arbeit und dem Glas beim Wachsen zuschaut. Ein Stück Inspiration nimmt man aus der Glasmanufaktur Kaiserhof meistens auch mit nach Hause. Aber so gehört es sich mit den besonderen Orten, sie schenken uns immer ein klein wenig Ewigkeit.